Chemie ist ungleich chemikalien


chemikalien
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Etwas mit dem viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kämpfen, ist das Fachbegriffe, die meist eine sehr präzise und spezifische Bedeutung haben, umgangssprachlich anders verwendet werden als es ihrer Bedeutung entspricht. Ein Beispiel dafür ist der Quantensprung. Ein Quant einer Sache ist ihre kleinste unteilbare Einheit. Ein Quant Menschen ist ein Mensch. Der Absorption von Licht haben wir nun das Phänomen, dass nur bestimmte Wellenlängen Licht, also Lichtfarben, von einem bestimmten Molekül absorbiert werden können. Das liegt daran, dass die Elektronen angeregt werden und in ein höheres Energieniveau springen. Lichtfarben kann man sich als ein Lichtteilchen vorstellen, dass ein Energiepaket auf dem Rücken trägt. Die Absorption von Licht kann sich so vorstellen, dass die Elektronen eine Energieleiter hoch klettern wollen und das aber nur dann können wenn sie von den Lichtteilchen genug Energie bekommen. Bringt ein Photon, ein Lichtteilchen also, nicht genug Energie mit, kann das Elektron die nächste Stufe der Leiter nicht erklimmen und lässt das Lichtteilchen mit seinem Energiepaket weiterfliegen. Das Klettern auf der Leiter nennt die Physikerin einen Quantensprung und er ist etwas sehr kleines. Umgangssprachlich ist ein Quantensprung jedoch eine große Errungenschaft, oder ein großer Schritt vorwärts. Ich finde das immer wieder lustig.

Was ich nicht so lustig finde ist, wenn synthetische, industriell hergestellte Chemikalien als Chemie bezeichnet werden. Genau das ist nämlich gemeint, wenn man im SWR von Chemie in Haushaltsreinigern redet. Dabei macht das durchaus einen Unterschied. Chemie ist die Wissenschaft die stoffliche Veränderungen beschreibt. Das kann auch die Wirkung von Haushaltsreinigern auf Haushaltschmutz sein. Entgegen der Suggestion des SWR kann Chemie aber auch natürlich ablaufende Prozesse und Prozesse in denen natürliche Stoffe verwendet werden beschreiben, wie das reinigen mit Essig und Backpulver, statt industriell hergestellten Tensiden. Das Reinigen mit natürlichen Reinigungsmitteln ist also auch angewandte Chemie.

Ich finde das deshalb schlimm, weil so eine Angst vor Chemie geschürt wird, die wiederum die Angst vor dem Fach und dem Wissen um Chemie schürt. Ich glaube, dass viel der Ablehnung die Chemie als Fach in der Schule erfährt darauf zurückzuführen ist, dass synthetische Chemikalien abgelehnt werden. Das wiederum finde ich ok. Ich versuche den Kontakt mit gefährlichen Substanzen, ausserhalb des Labores, auch zu minimieren, z.B. vertraue ich auch auf Essig und Backpulver als Reinigungsmittel, allerdings setze ich natürlich nicht gleich mit ungefährlich und synthetisch nicht gleich mit gefährlich. Das liebe Leser möchte ich euch auch anraten, denn das in Stechapfel Atropin hat selten jemandem gut getan, wohingegen Silikonöle schon vieles einfacher gemacht haben.




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