Die Zukunft 




Die Entzifferung des Humangenoms und der mikrobiellen Genome schreitet derzeit mit nie dagewesenem Tempo voran. Der Schlüssel zum Erfolg im Kampf gegen die Antibiotikaresistenz liegt in der Entwicklung eines integrierten Ansatzes, der auch die neuen Möglichkeiten, die die Genomforschung bietet, zu nutzen weiß. Diese Möglichkeiten werden in neuen Forschungsprojektenim Sechsten Rahmenprogramm (2002-2006) eingehender betont und erkundet. Die neue Strategie legt besonderes Gewicht auf:

Neue Klassen anti-infektiöser Medikamente
In den letzten Jahren sind praktisch keine neuen Antibiotikaklassen mehr entdeckt worden. Derzeit liegen die Entwicklungskosten eines neuen Medikaments bei rund 500 Millionen €, und die industriellen Anreize reichen nicht mehr, um diese Schranke rasch genug zu überwinden, damit der Zugang zu wirksamen anti-infektiösen Medikamenten weiterhin gesichert bleibt. Die Ausschöpfung der Genomik dürfte schneller und billiger neue Generationen von Medikamenten hervorbringen.

Diagnostische Tests
Eine zurückhaltende Verschreibung geeigneter Antibiotika lässt sich am besten erreichen durch rasche und preisgünstige diagnostische Tests zur Identifikation der Erreger und ihrer Resistenzmerkmale. Moderne DNA-Technologie ist entscheidend für eine beschleunigte Entwicklung neuer und verfeinerter Tests, und nicht minder wichtig ist die Schaffung von Anreizen für deren Einsatz, sobald sie verfügbar sind.

Entwicklung von Impfstoffen
Infektionskontrolle durch Impfung ist ein indirekter, aber sehr wirkungsvoller und kostengünstiger Weg, um allein schon den Bedarf an Antibiotika zu senken. Die Genomik eröffnet viel versprechende Perspektiven für die Entwicklung von Impfstoffen.

Überwachung
Die epidemiologische Überwachung der Antibiotikaresistenz menschlicher und tierischer Erreger ist eine wesentliche Komponente der Strategie. Der Verbrauch von Antibiotika muss beobachtet und sowohl mit Resistenzdaten wie klinischen Resultaten in Beziehung gesetzt werden.

Ein vielschichtiges Problem
Das Problem der Antibiotikaresistenz ist ausnehmend vielschichtig und zieht weitreichende sozioökonomische und politische Konsequenzen nach sich. Es umfasst eine Vielzahl sozial- und gesundheitsökonomischer Aspekte, wie etwa Verschreibungsgewohnheiten und Ausbildung der Ärzte, die Rückerstattung medizinischer Leistungen und die Erwartungen der Öffentlichkeit. Es greift auch über die Humanmedizin hinaus, in die Tiergesundheit, die Nahrungsmittelindustrie und die Umweltbelange. Damit der neue Ansatz Erfolge zeigt, muss diesen Faktoren in ihrer ganzen Breite Rechnung getragen werden.



Quelle dieses Textes: © Europäische Gemeinschaften, Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. - http://ec.europa.eu



 


 

 

 



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