Die Herausforderung aufgreifen



Die Verletzlichsten tragen das höchste Risiko


Die Kombination von Patienten mit geschwächtem Immunsystem, langfristiger Einnahme von Infektionshemmern und Kreuzinfektionen hat zu nosokomialen Infektionen mit hoch resistenten Erregern geführt. Dazu gehören insbesondere vancomycinresistente Enterokokken (VRE) und methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sowie gewisse schwere Pilzinfektionen.

Kinder sind besonders anfällig für Infektionen der Atemwege, aber wegen des übermäßigen Einsatzes von Antibiotika bei deren Behandlung werden moderne Kindertagesstätten immer mehr zu Hot spots für das Auftauchen und die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen. Ähnlich entpuppen sich Langzeit- Pflegeeinrichtungen für ältere Menschen zunehmend als Reservoirs resistenter Bakterien, da diese Patienten sich oftwährend ihrer häufigen Krankenhausaufenthalte anstecken.

Das EURIS-Projekt versucht herauszufinden, wie resistente Stämme von Streptococcus pneumoniae bei Kindern, die Tagesstätten besuchen, vermindert werden könnten, indem es die Auswirkungen verschiedener Interventionsstudien in vier europäischen Ländern vergleicht und für Entscheider im öffentlichen Gesundheitswesen eine „beste Praxis"der Resistenzkontrolle bei Atemwegsinfektionen von Kindern entwickelt.

Das ARPAC-Projekt sammelt Daten zu dem Antibiotikakonsum und der Resistenz der Erreger, um harmonisierte Strategien für die Vorbeugung und die Kontrolle von Antibiotikaresistenzen in europäischen Krankenhäusern zu entwickeln.

Pseudomonas aeruginosa ist eine verbreitete und besonders gefährliche Ursache nosokomialer Infektionen. Das Pseudomonas-Virulenz- Projekt zielt auf die Entwicklung neuer, auf DNA-Chip-Technologie beruhender diagnostischer Tests ab und versucht, Virulenz- und Resistenzfaktoren zu identifizieren, um bessere Maßnahmen für die Infektionskontrolle in Krankenhäusern zu entwickeln. Die Ergebnisse könnten auf viele andere menschliche Krankheitserreger übertragen werden.

Die Tuberkulose schlägt zurück


Multiresistente Tuberkulose (MDR-TB) wird zunehmend in weiten Teilen der Welt gefunden, insbesondere in Osteuropa, Afrika und Asien. Vordem wirksame und preisgünstige Medikamente müssen heute ersetzt werden durch aufwendige, langwierige Behandlungen, die hundertmal teurer sind.

Das X-TB-Projekt stellt einen integrierten Ansatz dar, der zwecks Entwicklung neuartiger Medikamente und neuer therapeutischer Wirkstoffe für die Behandlung von Tuberkulose Proteomik mit struktureller und funktioneller Genomik verbindet. Das Ziel des Dissam-Projekts liegt in der Entwicklung schneller und hoch sensitiver Diagnosetests zur Identifizierung und Charakterisierung multiresistenter Tuberkulosestämme.

Der mikrobiellen Resistenz auf der Spur


Infektionskrankheiten nehmen keine Rücksicht auf Grenzen – ebenso wenig wie die Erregerstämme, die sie verursachen. Unser heutiges Wissen reicht nicht aus, um das Auftreten und die Ausbreitung der Antibiotikaresistenz, die sich in den EUMitgliedstaaten – genau genommen weltweit – entwickelt, vorauszusehen oder zu verhüten. Ein besseres Verständnis der molekularen Mechanismen hinter diesen Phänomenen ist entscheidend für die Entwicklung einer Langzeitstrategie gegen Medikamentenresistenz.

Das DEAR-Projekt befasst sich mit der Dynamik der Evolution der Resistenz gegen antimikrobielle Medikamente – zum Beispiel die Wirkungen unterschiedlicher Antibiotika-Dosierungsschemata.

Antibiotika in der Tierzucht


Das Auftauchen von Antibiotikaresistenz in der Veterinärmedizin und der Landwirtschaft scheint ähnlich abzulaufen wie beim Menschen. Große Mengen anti-infektiöser Medikamente werden nicht nur zur Behandlung kranker Tiere eingesetzt, sondern auch als übliche Futterzusätze zur Vorbeugung von Infektionen. Ein wichtiger Fortschritt, mit dem die Europäische Union diesbezüglich an die Weltspitze vorrückt, ist ein neues Gesetz, das bei Menschen verwendete Antibiotika von der Nutzung als Wachstumsförderer in der Tiernahrung verbietet.

In der CREAM-Studie wird eine tragbare Einsteck-Patrone für die Vor-Ort-Kontrolle von Antibiotikarückständen in der Milch entwickelt. Synthetische, molekular geprägte Polymerkügelchen bilden die Erkennungselemente, während der Nachweis durch Fluoreszenz erfolgt.

Am Ball bleiben


Unter dem Fünften Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung (1999-2002) der Europäischen Kommission wurden über 50 Millionen € für Projekte rund um das Problem der antimikrobiellen Resistenz eingesetzt. Wir haben einzelne Projekte herausgegriffen, um Breite und Tragweite der auf diesem Gebiet laufenden Forschung in Europa zu illustrieren.


Quelle dieses Textes: © Europäische Gemeinschaften, Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. - http://ec.europa.eu



 


 

 

 



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